Angeblich sucht Euryale in London nur einen Ehemann. In Wahrheit ist sie die Tochter einer Göttin.
Styx – der Fluss der Unterwelt – ist durchlässig geworden und gefährdet die Welt der Sterblichen. Nun ist es an Euryale, das Leck zu versiegeln. Es soll ihr letzter Auftrag sein. Erfüllt sie ihn, wird aus ihr eine Furie. Ausgerechnet Deacon, angehender Geschichtsprofessor und Euryales größter Kritiker, ist ihre einzige Hoffnung. Denn er kann die Lebensfäden der Menschen sehen. Gemeinsam stürzen sie sich in die Londoner Gesellschaft und plötzlich muss Euryale sich fragen, ob ein Leben im Hades den Preis ihrer Liebe wirklich wert ist …
Während zwar immer wieder neue Bücher bei mir einziehen, habe ich mir vorgenommen, endlich wieder ein paar ältere Werke zu lesen – wie dieses hier zum Beispiel. Gekauft habe ich es kurz nach Erscheinen, hatte aber nie genug Lust es in die Hand zu nehmen. Und meinetwegen hätte es gerne noch eine Weile ungelesen bleiben können, denn so richtig überzeugen konnte es mich leider nicht.
Ich weiß wie viel Mühe und harte Arbeit in jeder einzelnen Geschichte stecken, doch ich habe schnell gemerkt, dass es zwischen mir und „Goddess of Fury“ nicht funkt. Was unfassbar schade ist, denn eigentlich mochte ich das Worldbuilding per se total gerne. Gerade die Mischung aus Fantasy und Regency-England war voller Potenzial, voller Gelegenheiten mich zu überzeugen und zu begeistern, die schlicht daran gescheitert sind, dass ich den Inhalt zu sprunghaft fand und die Emotionen kaum bei mir angekommen sind.
Euryale als unsere weibliche Protagonisten war mir zu explosiv. Gerade ihre Wut fühlte sich an, als würde man, statt langsam Gas kommen zu lassen, das Gaspedal voll durchtreten – und das wohlgemerkt immer wieder. Sie geht in Nullkommanichts an die Decke und ich konnte zu häufig nicht nachvollziehen warum. Ja, sie ist ein Furie, demnach passen Wut, Zorn und Rache hervorragend zu ihr, doch es fehlt massiv an Facettenreichtum, daran überzeugend rüberzubringen, warum gewisse Dinge ihr so nahe gehen. Auch so ist es ihre Vergangenheit, ihr Trauma, ihre gegenwärtigen Gefühle für Deacon oder ihre wenigen Freundschaften, für mich hat es so wie es ist, nicht funktioniert. Auch ihre Bettgeschichten und ihre anhaltenden Kritiken der menschlichen Gesellschaft – ob berechtigt oder nicht sei mal dahingestellt – hatte ich irgendwann einfach über.
Deacon bringt absolut die richtigen Elemente für einen tollen Mann mit, doch dadurch, dass diese Geschichte nun mal sehr schnelllebig und wenig emotional für mich war, finde ich seinen Charakter extrem blass. Gerade warum die beiden sich zu Beginn so hassen, seinen Umgang mit der neu entdeckten Welt der Halbgötter und Co., seine Eltern, der Druck der Gesellschaft – davon merken wir zu wenig.
Und vielleicht könnte ich über diese ganzen Punkte hinwegsehen, wenn ich nicht den starken Verdacht hätte, dass inhaltlich vieles einfach keinen Sinn ergibt. Nicht weil diese Sachen prinzipiell unlogisch sind, sondern weil sie schlichtweg furchtbar schlecht erklärt werden. Als Beispiel, die von Euryale befreiten Tiere bringen weder die Geschichte voran, noch macht es in meinen Augen ansatzweise Sinn, dass eine Löwin quer durch London marschieren kann, ohne gesehen zu werden. Auch die Beschreibungen, welcher Gott mit wem was hatte, die familiären Umstände der Charaktere, die unterschiedlichen Wesen, für mich fehlte etwas.





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