Sonntag, November 13, 2016

Selbstverfasstes ~ Kapitel 1

Heute wird es zum ersten Mal seit einiger Zeit mal wieder ein neues Kapitel meiner Geschichte "Wolf Possession" geben (wer sich den Anfang noch mal durchlesen möchte kann dies mit einem Klick auf diesen Link tun: Selbstverfasstes)

Kapitel 1 ~ Herb Meval

"Herb." Hope konnte nichts dagegen machen, sein Name kam ihr einfach so über die Lippen, nicht so als hätte sie ihn nicht fast fünfzehn Jahre lang nicht gesehen. Ihren Onkel Herb Meval. Ihr Herzschlag beschleunigte sich und am liebsten wäre sie davon gerannt. Aber selbst in dieser aussichtslosen Situation wusste sie das sie nicht weit kommen würde, geschweige denn einem stellvertretendem Alphatier entwischen. Schließlich vermochte noch nicht einmal der schwarze Anzug zu verbergen welche rohe wilde Kraft in diesem Mann steckte. Er war durch und durch ein Wolf, die blauen Augen und die schulterlangen schwarzen Haare bestätigten dieses Bild nur noch. Der Anzug mochte vielleicht zivilisiert wirken, war aber lediglich eine billige Ausrede, der Mann vor ihr war ein wildes blutrünstiges Raubtier und hatte auch kein Problem damit dies zu zeigen.
"Du bist groß geworden, Hope." Er sah ihr in die Augen, doch dieses Mal war sie es die denn Blick senkte. Er war der dominantere, keine Frage, schließlich war er nicht umsonst das zweit stärkste Mitglied der DarkShadow Wölfe. Dem größten und aggressivsten Wolfsrudel der Welt. Er kam einige Schritte näher, Hope konnte nicht anders, sie wich zurück und senkte den Kopf. Dann stand er direkt vor ihr, hob einen Arm und griff nach ihrem Kinn. Sanft, aber kräftig hob er ihren Kopf mühelos wieder an und sah ihr ins Gesicht. Seine blauen Augen durchbohrten sie förmlich, ihr Herz raste. Dann tat er etwas mit dem sie niemals gerechnet hätte, seine beiden Arme schnellten vorwärts und packten sie fast schon grob. Ohne auf ihren schwachen Protest einzugehen umarmte er sie. Im ersten Moment fühlte es sich ungewohnt an, die einzigen die sie je umarmt hatten waren ihre Eltern gewesen, dann verschwand das seltsame Gefühl und eine unglaubliche Wärme und Fürsorglichkeit durchflutete sie. Erst dann kamen die Tränen, immer mehr und mehr, nach ihrer tagelangen Gefangenschaft, dem Verlust ihres Zuhauses und dem schmerzhaften Wissen nun komplett alleine zu sein, brachen jetzt alle mühsam aufgebauten Mauern einfach ein. Möglicher Weise sollte sie sich fragen warum sie ihn nicht weg stieß, warum sie jemandem so schnell vertraute obwohl sie ihn kaum noch kannte und ja vielleicht sollte sie lieber weglaufen, als zu glauben, dass er ihr Leben ändern könnte. Hilflos bebten ihre Schultern unter geräuschlosen Schlurzern, Herb fühlte sich warm und groß an.
Und er roch nach Familie. Seltsam, wenn man mal bedachte das er vor Jahren den Kontakt zu ihrer Mutter abgebrochen haben soll und sie ihn seitdem auch nicht ein einziges mal zu Gesicht bekommen hat. Aber dennoch akzeptierten beide Tiere in ihr, der Wolf und der Gepard, ihn als ein Familienmitglied und erachteten ihn als Verbündeten. Dennoch stellte sich die Frage warum gerade er hier aufgetaucht war und das nach all den Jahren in denen er sich einen Dreck für seine Schwester, ihren Mann und dessen Tochter interessiert hatte. Das war nämlich das merkwürdigste an der ganzen Sache, das Rudel in dem er lebte, das nebenbei bemerkt am anderen Ende der Welt lebte, war nicht zum stärksten Wolfsrudel der Welt geworden weil es zu allen nett war. Es gab strikte Regeln, auch unter den Raubtiergestaltwandlern, die DarkShadow Wölfe waren brutal, jeder der ihr Territorium betrat, brauchte eine Erlaubnis oder war sofort tot.
"Was tust du hier?" Ihre Stimme war nur gedämpft zu verstehen, da er sie immer noch fest an seine Brust drückte.
"Dich nach Hause bringen." Ihr Herzschlag beschleunigte sich wieder, wie bitte? Er wollte sie mitnehmen? Sofort machte sich Angst und Unsicherheit in ihr breit, sie konnte ihn unmöglich begleiten. Sie als Hybride im aggressivsten und wildesten Rudel der Welt? Da könnte sie sich auch gleich eine Waffe an den Kopf halten und abdrücken.
"Was? Bist du verrückt?" Ein Knurren vibrierte durch seinen Körper und setzte sich zitternd in ihrem fort.
"Hüte deine Zunge, Kleines." Hilflos biss sie sich auf die Lippe, bis es weh tat.
"Du wirst mich begleiten und keine Widerrede." Jetzt hatte sie wirklich Angst.